„Nomen est omen“ – eine Alternative zur Taufe

Jana Köhler Fotografie

Frisch weitergebildet und reich an neuen Eindrücken kommt hier der versprochene Beitrag zum Thema Kinderzeremonien oder auch Freie Taufe.

Vielleicht weil ich selbst eine Tochter habe und weiß, wie sehr ein Kind das einstige Leben auf den Kopf stellt, oder aber auch weil ich selbst auf unzähligen Taufen meiner Cousinen war – das Thema fasziniert mich schon seit Beginn meiner Selbständigkeit.

Während die Freie Trauung mittlerweile schon ausreichend weit verbreitet und akzeptiert ist, tun wir uns mit Alternativen zur Taufe immer noch schwer. In einigen Mamicommunitys wird da sogar die Glaubwürdigkeit und Notwendigkeit eines solchen Rituals abseits der Kirche in Frage gestellt. Ohne kommt man schließlich auch durchs Leben - kein Zweifel. Ebenso findet man zahlreiche kreative Namensgebungen für diese Art der Zeremonie bei Recherchen im Internet …Kindssegnung, Namensfeier, Willkommensritual, Begrüßungszeremonie…

Da stellt sich einem anschließend die Frage: Wozu braucht man das dann überhaupt?

Dankbarkeit und Wertschätzung für Erreichtes, aber auch die Unterstützung die uns Familie und enge Freunde zukommen lassen, bieten einen guten Grund zum Feiern. Doch nur einen Kuchen servieren und den Grill anwerfen, reicht eben zu bestimmten und sehr bedeutenden Anlässen nicht jedem aus. Zeremonien und Rituale brauchen und wünschen wir uns zu bestimmten Ereignissen und Wendepunkten in unserem Leben. Sie symbolisieren einen Übergang in eine andere Zeit - ein neues Leben. Sie reflektieren und würdigen bereits Erlebtes, ergreifen uns im Inneren und geben das wieder, was uns im Herzen berührt und was wir uns für die Zukunft wünschen. Man betrachtet die Dinge aus einer anderen Perspektive und erhält durch eine solche Zeremonie vielleicht auch einen anderen Blickwinkel auf das eigene Leben. Die Bedeutsamkeit des Augenblicks, den man schon seit einiger Zeit plant und vielleicht doch bis zu diesem Moment nie ganz verstanden hat.

Warum also kein solches Ritual zur Geburt eines Menschen? Eines Kindes auf das man sich intensiv vorbereitet hat und seiner Ankunft seit Monaten entgegenfiebert. Ein Baby, welches das Leben zweier Menschen gehörig durcheinanderbingen wird, oder das ein Kind zum Geschwisterkind machen wird.

Bei einer solchen Kinderzeremonie (unter welchen Namen auch immer ihr sie stellen möchtet) geht es dann zwar nicht um die Akzeptanz in eine religiöse Gemeinschaft, dafür vielmehr um die Aufnahme in die eigene Familie. Ein Kind ganz anzunehmen, ihm Geborgenheit und Liebe schenken zu wollen und Vertrauenspersonen als Paten an die Seite stellen – all das und noch viel mehr kann man in einer solchen Zeremonie zum Ausdruck bringen.

Dabei gibt es ganz wesentliche Unterschiede zur Trauungszeremonie. Meist sind bei einer Kinderzeremonie weniger Gäste eingeladen. Es geht familiärer, ja vielleicht sogar noch etwas privater zu, als bei einer rauschenden Hochzeit. Die Zeremonie ist zurückhaltender, lockerer und trotzdem genauso speziell und individuell wie ihr. Genauso spielt dann die Bezeichnung für die Feier nur noch eine untergeordnete Rolle. Ob ihr nun zur "Namensfeier" oder "Freien Taufe" einladet, bleibt euch genauso überlassen wie die Gestaltung der Einladungskarten. "Nomen est Omen" - heißt nur, das die Begrifflichkeit die ihr wählt in irgendeiner Form dann auch in der Zeremonie auftauchen sollte. Wie enttäuschend, wenn bei der Namensfeier kein einziges Wort über den Namen eures Kindes fällt, welchen ihr sicher mit Sorgfalt und Bedacht ausgewählt habt.

Bei der Planung nehmen wir Rücksicht auf die Bedürfnisse des Kindes, welche natürlich je nach Alter stark unterschiedlich sind. Aber auch Beiträge von Paten, Tanten oder Großeltern sind möglich. Genau wie in der Freien Trauung heißt es dann wieder: wann, wo und wie ihr möchtet. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt und genauso kann man die Zeremonie auch im heimischen Garten durchführen oder als Ritual ein Bild mit bunten Fingerfarben malen. Warum denn auch nicht?! Wichtig ist also am Ende nur, gemeinsam herauszufinden, was man mit dieser Zeremonie bewirken möchte und wofür man seine Dankbarkeit und Wertschätzung übermitteln will.

Ich möchte diesen Beitrag gern mit den Worten von Reinhard Mey beenden und hoffe euch damit etwas inspirieren zu können:

"Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll,

So viel Gedanken, und mein Herz ist übervoll,

So viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:

Freude und Demut und Dankbarkeit.

Im Arm der Mutter, die dich schweigend hält,

Blinzelst du vorsichtig ins Licht der Welt,

In deinen ersten Morgen, und ich denk‘:

Dies ist mein Kind - welch ein Geschenk! (...)"

Mein Apfelbäumchen - Reinhard Mey